Rede zu „Je suis Charlie“

Die ermordeten Zeichner und Journalisten von Charlie Hebdo sind Helden.
Nicht durch die Umstände ihres Todes sind sie dazu geworden, sie waren es vorher schon.
Sie haben mit ihrer Waffe – mit Humor – unerschrocken gekämpft für liberté, égalité, fraternité – für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Die Trennlinie zwischen uns und den Attentätern ist nicht Religion.
Die Trennlinie ist Intoleranz.

Unabhängig davon, woher ich komme und welcher Religion ich angehöre, oder ob ich überhaupt religiös bin: ich muss eine Karikatur oder einen Artikel nicht mögen, aber ich muss es aushalten und – gegen Drohungen und Angriffe verteidigen.

Denn Europa – mit seinen christlich-jüdischen und auch islamischen Wurzeln – pflegt Werte, wie Nächstenliebe, Meinungsfreiheit, Bürgerrechte und Demokratie.

Zu meinen intensivsten religiösen Momenten zählt für mich die Lesung aus Thora, Koran und Bibel Muslimen, Christen und Juden in der Pasinger Moschee und in der Leonhardikrche.
Es war ein erhebendes Erlebnis – gegenseitig getragen von heiligem Respekt für die Sitten, Gebräuche, Riten und religiösen Ansichten der jeweils anderen Religion. Und es gibt so viel, was uns auch in der Religion verbindet.

Muslime sind – wie alle Angehörigen aller Religionen – unsere Brüder!

Auch der christlicher Gott musste als Grund für faschistisches Töten herhalten: für Kriege, Kreuzzüge, Rassismus, ethnische Säuberungen.Genauso wie jetzt der Prophet – und der Prophet trägt sicher keine Kalaschnikow.

Wahrscheinlich liegen sich die beiden jetzt irgendwo in den Armen und weinen über so viel Dummheit ihrer Anhänger.

An der Religion liegt es nicht – es liegt an den Menschen.
Terroristen sind gottlos.

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