Rede zum Neujahrsempfang 2015

„Suchet der Stadt Bestes.“

Liebe Grafingerinnen und Grafinger, liebe Gäste,

ich freue mich – natürlich – hier zu stehen und Ihnen einen gutes neues Jahr 2015 zu wünschen.
Dieser Neujahrsempfang ist jetzt schon wieder fast der letzte dieser größeren regelmäßigen Anlässe im Jahreszyklus, wo ich als Bürgermeisterin zum ersten Mal vor ihnen stehe und mit Ihnen, mit den Grafingern, zum Austausch, zum Ratschen, zusammenkomme.
Bei vielen Vereinsfeiern, großen Veranstaltungen, bei der Bürgerversammlung oder auch bei privaten Besuchen hat es mich immer sehr gefreut, auf so viel Freundlichkeit und Offenheit zu treffen.

Spannend und neu ist das auch für meine Familie und es freut mich, dass meine drei Töchter und mein Mann heute hier sind.

Mir gefällt mein Amt: Gleich in meinen ersten Wochen im Amt gab es solche Highlights wie mein erstes Anzapfen beim Volksfest und die großen Feiern zum 150-jährigen Bestehen unseres TSV Grafing und unserer Grafinger Feuerwehr.
Warum treffen wir uns denn hier – quer durch alle Generationen, mit unterschiedlichsten Lebenseinstellungen, Ansichten und Grundhaltungen, quer durch alle politischen Gruppierungen, quer durch die Bevölkerung?
Weil wir Grafinger uns füreinander interessieren, uns austauschen wollen, uns kennen lernen wollen, miteinander reden wollen – und ist das nicht das Beste, was sich eine Stadt so wünschen kann: interessierte, aufgeschlossene Menschen?

Das hier ist keine Bürgerversammlung mit festgelegtem Ablauf, Berichten und Zahlen – das hier ist einfach nur ein Treffen der Grafinger, mit ein wenig Vorausschau und ein wenig Rückblick.

Es war ganz schön was los im abgelaufenen Jahr.
Es war das Wahljahr mit einem intensiven und fordernden Wahlkampf. Mit dem Ergebnis, dass ich seit 01. Mai als Grafinger Bürgermeisterin die Geschicke der Stadt moderieren darf.
Mich freut aber besonders, dass meine damaligen Mitbewerber nicht aufgehört haben, sich mit mir konstruktiv für Grafing einzusetzen. Vielen Dank Susanne Linhart, Gabriela Wischeropp und Dr. Heinz Fröhlich!
In unserem Stadtrat hat keine Partei eine Mehrheit – und ohne Stadtrat kann eine Bürgermeisterin keines der großen Themen voranbringen. Umso wichtiger ist es daher, gerade in diesem Gremium aufeinander zu hören und miteinander zu reden – nur so bringen wir Grafing voran.

In einer großen Klausurtagung des Stadtrates haben wir in vielen Dingen große Übereinstimmung erkannt und einen Fahrplan für die nächsten Jahre aufgestellt
Hier gilt mein Dank den Fraktionsvorsitzenden für Ihren steten Willen zur Zusammenarbeit. Danke an Graf Rechberg von der CSU, Christiane Goldschmitt-Behmer von den Grünen, Gabriela Wischeropp von den FW, Regina Offenwanger von der SPD und Dr. Heinz Fröhlich vom BfG.
Der Presse möchte ich danken: Danke Michael Seeholzer vom Merkur und Thorsten Rienth von der Süddeutschen, danke den Fotografen Stefan Rossmann, Peter Hinz-Rosin und Christian Endt von der Süddeutschen, danke an Frau Redinger vom Hallo, die berichtet und fotografiert.
So wie ihr über unser Grafing berichtet, so werden wir auch wahrgenommen – und in der letzten Zeit kommt Grafing da ganz gut rüber. Das muss an uns liegen – oder vielleicht doch an Euch? Danke jedenfalls.

Mittlerweile haben wir im Rathaus schon einige Dinge ins Laufen gebracht:

  • Die Grundschule wird erweitert, der Pausenhof und der Verkehrsübungsplatz werden neu angelegt.
  • Der Bebauungsplan für unseren neuen Bauhof wurde aufgestellt.
  • Den Bebauungsplan Aiblinger Straße (mit Bauland für Einheimische!) haben wir angeschubst.
  • Ebenso den Bebauungsplan Elisabethstraße/Nettelkofener Straße incl. des Wohnheims für Behinderte.
  • Die Stadt Grafing hat es geschafft, über 100 Asylbewerber relativ geräuschlos zu beherbergen. Vielen Dank dafür!
  • Auch wichtig: für die Volkshochschule und die Musikschule haben wir Räume im sog. Haschlerturm geschaffen – es wurde sogar über die Feiertage gearbeitet, um einen baldigen Einzug zu gewährleisten.
  • Und – nachdem wir schon hier in unserer Stadthalle stehen – wir haben einen neuen künstlerischen Leiter der Stadthalle, Sebastian Schlagenhaufer.

Das aktuelle Jahr – 2015 – wird ebenfalls viel fordern und viel bieten:

  • Wir werden unser Gewerbegebiet erweitern! Es gibt jetzt Schammach II. Endlich ist der Ankauf der Flächen besiegelt, zu einem Preis, mit dem wir und der Verkäufer leben können, die ersten Investoren zeigen Interesse und wir sind im Gespräch, bald geht’s los.
    Ein Gewerbegebiet, das an ein bestehendes anschließt, gilt als Ressourcen schonend. Dennoch werden in Schammach II Flächen versiegelt. Auch wenn wir uns über wohnortnahe Arbeitsplätze freuen, haben wir die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen. Wir werden also in den Planungen schonend mit Flächen, verschwenderisch mit der Bepflanzung und innovativ mit der Energienutzung umgehen.
  • Das Jahr 2015 wird eine weitere Konkretisierung zur Umgestaltung unseres Marktplatzes bringen. Wir lieben unser Wohnzimmer, aber wir müssen ein wenig aufräumen und umgestalten darin, damit es so richtig wohnlich wird.
  • 2015 wird eine Entscheidung bringen, wie es mit dem alten Schulgebäude an der Rotterstraße 8 weitergeht. Es wird einen Bürgerentscheid geben. Sie – die Bürger – entscheiden; das ist eine klare Ansage.
    Meiner persönlichen Ansicht nach ist Kultur genau an dieser Stelle wichtig und richtig. Wenn wir unseren Marktplatz belebt erhalten wollen, wenn wir den Einzelhandel in Grafings Zentrum unterstützen wollen, brauchen wir einen Publikumsmagneten im Zentrum.

Im Mai zu Beginn der Amtszeit des neuen Stadtrates und auch meiner Amtszeit war mir wichtig, die Wahlperiode mit einer gemeinsamen Andacht in der Marktkirche zu beginnen. Dabei haben uns unser Ehrenbürger Herr Dr. Mischlewski und Herr Pfarrer Kajnath ein Zitat des Propheten Jeremia mit auf den Weg gegeben:

„Suchet der Stadt Bestes.“
Das heißt: Kümmert euch um eure Stadt.
Das heißt: Tut was. Packt an.
Übernehmt Verantwortung. Denn Verantwortung übernehmen hat immer mit Gemeinschaft zu tun.
Die Stadt – hier entscheidet sich die Lebensqualität der Menschen.
Das Wohl der Stadt kann aber nicht angeordnet, kann nicht nur durch den Stadtrat beschlossen werden.
Das Wohl der Stadt erwächst auch nicht aus Verordnungen der Verwaltungsbeamten.
Das Wohl der Stadt muss jeden Tag neu gefunden werden.
Und das Wohl der Stadt muss jeden Tag von Menschen für Menschen gestaltet werden.
Liebe Grafingerinnen und Grafinger, alle, die anpacken und für die Gemeinschaft tätig sind, liebe ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, liebe Sport-Übungsleiter – und alle, die ich hier nicht genannt habe: Vielen Dank für die harte Arbeit des vergangenen Jahres, für Ihre Zeit, für Ihr Engagement.
Die Stadt braucht Sie, die nicht hocken bleiben, sondern sich für andere bewegen und einsetzen. Für das Ganze und die Zukunft. Eben für die Stadt, in der wir leben. Für unser Grafing.
Einige, die viel für unsere Stadt getan haben, sich um unser Grafing verdient gemacht haben und allein damit schon echte Grafinger sind, möchte ich heute besonders ansprechen.

Frau Thoma: Frau Margarete Thoma ist das Synonym für Gymnastik beim TSV. Seit Jahrzehnten führen Sie die Gymnasikabteilung

Frau Köll ist Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Straußdorf. Seit Jahrzehnten gibt es in Straußdorf die Herbstversammlung, zu der die Seniorinnen und Senioren der Gemeinde zu Kaffee und Kuchen eingeladen werden. Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft kommen hier zusammen: alteingesessene Straußdorferinnen, Zugezogene und ehemalige Flüchtlingskinder. Sie leisten hier nicht nur wertvolle Arbeit für Senioren, sondern auch wertvolle Integrationsarbeit.

Herr Günther Ettenhuber: Er ist seit 36 Jahren Naturschutzwächter und somit der älteste in Bayern. Nicht zu vergessen seine unzähligen Stadtführungen voller Grafinger G‘schichten aus über 7 Jahrzehnten.

Es ist schon ein Novum, dass wir einen Bürger aus einer Nachbargemeinde ehren. Aber auch Asslinger können sich um Grafing verdient machen. Kaum ein Grafinger Gymnasiast, der nicht vom Gü zum Volleyballer gemacht wurde – zumindest hat er’s bei jedem, sogar bei meinem Mann, versucht. Günther Schmidt war Lehrer am Gymnasium Grafing, als ihm nach 3 Jahren (1969) die Welt des Gymnasiums zu klein wurde und er die Volleyballabteilung des TSV aufbaute. Dass die Grafinger Herrenmannschaft seit Langem und immer wieder in der zweiten Bundesliga spielt, ist sein Verdienst. Volleyball in Grafing und Günther Schmidt sind eins – und wer je bei einem Volleyballspiel seiner Jungs im Publikum neben dem Gü gesessen ist, wird dieses Erlebnis nicht vergessen.

Rudolf Heiler: Es gibt ihn immer noch im Rathaus oder in der Stadt … „DEN Bürgermeister“.
Das ist auch überhaupt kein Problem, denn es gibt ja den Unterschied zur amtierenden BürgermeisterIN.
Im Rathaus ist das ganz einfach. Bei staatstragenden Entscheidungen, wie „Wer bekommt Weihnachtskarten“ oder „wer wird zu Leonhardi eingeladen“ – eine kurze Rückfrage … „also DER Bürgermeister“ hat das immer so und so gemacht. Ob ich das dann genauso oder anders mache – sei zwar immer noch dahingestellt – aber einen wertvollen Anhaltspunkt habe ich schon mal.
Auch im Kreistag wurden Sie schon schmerzlich vermisst – Sie kennen ja die jährlich wiederkehrende Diskussion um die Kreisumlage – ein Kreistagsmitglied meinte jedenfalls: „Früher, ja früher hätte hier wenigstens Rudolf Heiler die Interessen der Kommunen vertreten und heute ….“
Sie haben 33 Jahre als Bürgermeister gearbeitet; erst in Egmating und dann 18 Jahre in Grafing. Sie hatten in den kommunalen Spitzenverbänden eine führende Rolle inne – Sie haben die Interessen Ihrer Kommunen vehement nach außen vertreten.
Also eigentlich bräuchte es deshalb die folgende Auszeichnung für DEN Bürgermeister gar nicht – den ALT-Bürgermeister. Aber um dem hohen Ansehen, das Sie hier in Grafing genießen, gerecht zu werden, hat Ihnen der Stadtrat den Ehrentitel des Altbürgermeisters verliehen.
Ich darf Ihnen hier unsere Grafinger Bären überreichen – ein bisschen struppig,– aber zäh und stark – wie wir ihn halt vom Wappen her kennen.

Angelika Obermayr

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