Rede zum Neujahrsempfang 2017

Liebe Grafingerinnen und Grafinger,

Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem alten Freund, der politisch etwas weiter links verortet ist als ich. Wir redeten auch über das Thema Sicherheit in unserem Land. Er wurde dann nachdenklich und meinte „Ja früher, da habe ich Polizisten noch als ….. bezeichnet“. Heute bin ich froh darüber, Polizei auf der Straße zu sehen.“

Wir überlegten dann, woher dieser Meinunsgsumschwung kam. Sind wir bloß alt geworden? Und unsicher? Hat sich unsere Polizei geändert?

Wir sind dann zu dem Ergebnis gekommen, dass unser Staat, unser Land, sich zu einer reifen Demokratie entwickelt hat. Die Polizei schützt nicht mehr den Obrigkeitsstaat vor seinen eigenen Bürgern. Sondern Polizisten sind Bürger, die uns Bürger und damit den Staat schützen.
Gereift mit dem Staat ist auch die Akzeptanz seiner Repräsentanten, z.B. der Polizei.
Getragen von all Ihren Bürgerinnen und Bürgern.

Diese in sich gefestigte Demokratie mit all ihren Werten ist es Wert, verteidigt und geschützt zu werden. Sowohl von staatlichen Organen, wie eben durch die Polizei, als auch durch uns.
Auch wir Bürgerinnen und Bürger haben die Pflicht, unseren Rechtsstaat, unsere Werte und Traditionen, unsere Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Toleranz, unsere Demokratie und unser Grundgesetz mit Worten in Schutz zu nehmen und zu pflegen.

Manchmal denke ich, wir müssen unser funktionierendes Gemeinwesen, unseren Rechtsstaat, wieder mehr zu schätzen lernen. Unser Land ist sicher. Auch wenn uns terroristische Anschläge verunsichern. Jede Polizei-Statistik sagt uns, dass wir ein sicheres Land sind und jedes Jahr sicherer werden.

Ich habe, ehrlich gesagt, mehr Angst um meine Kinder, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind, als wenn sie nachts in der S-Bahn oder auf einer Großveranstaltung sind.

Unser Land ist sicher, aber unsere Welt scheint kompliziert geworden zu sein.
Und nach einfachen Lösungen zu schreien.

Es ist sehr einfach, die Wahrheit so zu vereinfachen, dass sie schon wieder nicht mehr wahr ist. Oder die Faktenlage einfach zu ignorieren und Angst zu machen. Populismus nennt man das.
Befeuert durch die Kommentar-Funktionen in sozialen Medien und leider auch unterstützt durch populistische Aussagen von einigen Politikern;
Politiker, die ein Problem herbeireden und sich dann gleich selbst als Lösung anbieten – als Lösung für ein Problem, das nicht existiert.
Die Verdrehung von Tatsachen und das Ignorieren von Wahrheiten gehen einher mit einer Verrohung der Sprache. Die Verrohung des Umgangs untereinander hat ein – für mich – besorgniserregendes Ausmaß angenommen.

Das betrifft viele Facetten des Lebens: Wohl-kalkuliert grenzüberschreitende Aussagen von Politikern, Kommentare in Facebook, Mails an die Stadtverwaltung, …
Werte, die wir für Werte gehalten haben, sind plötzlich keine Werte mehr.

Früher gab es den Begriff „Unsagbar“ oder „Unsäglich“; doch vieles, was vor kurzer Zeit noch „unsäglich“ war, umgibt uns heute, – ist „sag-bar“ geworden. Gestern noch gab es das Wort „Anstand“, in der Sprache, in unseren Äußerungen, in unserem Umgang miteinander.

Heute hört man viel zu oft „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“. Ja, man darf, man soll sagen dürfen, dass es Probleme gibt – aber bitte sachlich, höflich, mit Respekt, mit Anstand und all unserer Mitmenschlichkeit!

Und manchmal muss man eben auch seinen Freunden sagen dürfen, Freunden, die unsägliches daherreden: „Okay, aber jetzt reicht’s“

Unser Land ist nicht nur sicher, sondern es geht uns auch gut.

Der Landkreis Ebersberg ist der wirtschaftlich stärkste Landkreis in Deutschland. Viele Menschen wollen in das wirtschaftlich starke Münchner Umland. So viele, dass wir alle Hände damit zu tun haben, die Infrastruktur auszubauen: Grundschule, Kindertagesstätten, Seniorenheim, Straßen, Wohngebiete …

Wie schön auch, dass unsere Kinder nicht in die nächste Metropole ziehen müssen, sondern hier in der Gegend bleiben können. Deswegen auch unsere Bemühungen, Bauland zu schaffen und den Wohnungsbau zu unterstützen.

Aber wenn das Durchschnittseinkommen hoch ist, heißt das noch lange nicht, dass alle gut verdienen. Deswegen werden wir auch Wohnungen für preisgünstiges Wohnen schaffen.

Es geht uns in Summe geht. Und lieber mache ich mir Gedanken, wo ich das Geld für den Ausbau der Schule her bekomme, als dass ich Überlegungen anstellen muss, welche Schule ich schließen muss. Oder über leerstehende Wohnungen.

Das vergangene Jahr war ein gutes Jahr für Grafing – wir haben viel vorangebracht!
* Im Haushalt haben wir ein Plus von einer halben Mio erwirtschaftet.
* Oberelkofen wurde kanalisiert
* Ein neuer Verkehrsübungsplatz
* Schnelles Internet in vielen Teilen Grafings
* Die Stadthalle hat ein Besucherplus von 30%
* Der FNP für das neue Gewerbegebiet Schammach wurde fertig gestellt.
* Abschluss Renovierung Dreifachturnhalle
* Wir haben uns erfolgreich für einen Lärmschutzwand in Schammach eingesetzt. Dank an Andi Lenz für die Vermittlung bei Minister Dobrint.

Und auch das Neue Jahr wird ein gutes werden – wir haben viel vor:
* Der Bauhof wird fertig.
* In der Kapellenstraße 6 entstehen zusammen mit dem Landkreis neue günstige Wohnungen
* Am Aiblinger Anger entstehen Wohnungen und Reihenhäuser. Ein Drittel davon günstig für Ortsansässige.
* Das Baywa-Gelände wird bebaut.
* Die Hochwasserplanungen werden fortgeführt
* Der Radlweg zwischen Elisabeth-Kindergarten und Grafing Bahnhof
* Die Ostumfahrung wird im Herbst fertig gestellt
ebenfalls die Beampelung des Knotens Marktplatz/Rotterstraße
* Und wir werden die Bebauung des alten Bauhof-Areals in Angriff nehmen. Hier sollen günstige Wohnungen entstehen – ganz gut, wenn Tom Hubers Gespräche mit seinem Minister Söder erfolgreich sind, dann bekämen wir nämlich noch das Nachbargrundstück dazu, das sich momentan noch im Besitz des Freistaats befindet.

Von unserer Arbeit in der Stadtverwaltung und von meiner Tätigkeit als Bürgermeisterin erfahren Sie, liebe Grafingerinnen und Grafinger, aus den örtlichen Zeitungen. Wie gut oder weniger gut uns etwas gelingt, welchen Eindruck Sie von unserer Arbeit haben, ist also immer auch davon abhängig, wie es von den Zeitungen für Sie aufbereitet und dargestellt wird. Dabei lastet viel Verantwortung auf den Schultern der Redakteure. Die regelmäßig über uns berichtenden Redakteure Michi Seeholzer vom Merkur, Thorsten Rienth von der Süddeutschen und Frau Redinger vom Hallo sind sich dieser Verantwortung bewusst und ich möchte mich hier bei Euch dafür bedanken.

Wir leben sicher, es geht uns gut in Grafing!

Das ist auch das Verdienst vieler Menschen. Menschen, die sich fragen „Was kann ich für Andere tun?“ Menschen, die sich in die Gemeinschaft einbringen. Das Grundrauschen einer funktionierenden Gemeinschaft bilden.

Ich möchte mich heute bei einigen Bürgerinnen und Bürgern bedanken für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement.

Gerne möchte ich das Ehepaar Koller ehren. Frau und Herr Koller sind seit Bezug des Seniorenhauses ehrenamtlich in der Betreuung von Senioren tätig. Herr Koller ist seit 2003 Vorsitzender des Förderwerks Seniorenhaus und ist seit 2014 im Stiftungsrat des Seniorenhauses. Herr Koller ist ebenfalls Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Grafing.

Brigitte Eben
arbeitet ehrenamtlich in der Bücherei, 3 Tage à 3 Stunden
Sie betreut die Spiele-Abteilung.
Wenn Sie sich ein bisschen auf den Grafinger Veranstaltungen bewegen, werden Sie sie kennen. Sie ist nämlich (fast) überall, wo Hilfe benötigt wird.

Ulrike Kleynmans
* Sie ist in der BRK Wasserwacht und im BRK Sanitätsdienst
* Sie macht Judo-Training für die Kleinen
* Sie trainiert die Kleinen im Eislauf
* Sie singt im Kirchenchor
* Organisiert die Spielebärchen und die Spieletiger im Familienzentrum und in der Bücherei
* Sie finden Sie bei den Spielevormittagen der Bücherei in den Schulen.

Ganz zum Schluss möchte ich mich bei Menschen bedanken, die ganz bewusst keine Ehrung wollten. Das ist unsere Feuerwehr.
Versetzen Sie sich doch mal in die Lage von Ehrenamtlichen Helfern, die meinen, zu 1 Opfer gerufen zu werden und dann feststellen, dass es sich um 4 handelt, die über den Bahnhofsvorplatz verstreut liegen. Die dann auch noch mit einem Täter konfrontiert sind. Das waren die First Responder der Freiwilligen Feuerwehr Grafing. Anfang Mai 2016. Als sie zu einer vermeintlichen Messerstecherei nach Grafing Bahnhof gerufen wurden, und noch vor Notarzt und Polizei vor Ort waren.

Hier Übersicht und Ruhe bewahrt zu haben, verdient unseren höchsten Respekt.

Oder der Starkregen im Sommer, der innerhalb von Minuten die Unterführung der Südumfahrung voll laufen ließ. Hier sprangen zwei Mitglieder der FFW Nettelkofen ins Wasser und zogen eine Frau aus ihrem Auto, die ansonsten ertrunken wäre. Vielen Dank für diesen mutigen Einsatz. Danke an Sepp Kendlinger und seinen Sohn.

Es geht uns gut in Grafing – und es wird uns weiterhin gut gehen!

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr.
Ich wünsche Ihnen jetzt viele gute Gespräche.

Angelika Obermayr, Erste Bürgermeisterin
Marktplatz 28, 85567 Grafing b. München
Tel. 08092-70331, buergermeisterin@grafing.bayern.de

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.