Rede zum Neujahrsempfang 2018

Grafing, 07.01.2018

Liebe Grafinerinnen und Grafinger!

Im November wollte ich mal wieder zum Kabarett-Abend in die Turmstube hier gehen – ausverkauft, nächste Vorstellung mit Karten am 4. Januar. Da haben wir dann gerade noch 4 Karten bekommen – im November, wohlgemerkt.
Einen schönen Platz wollten wir auch noch, darum waren wir schon eine halbe Stunde vor Beginn da. Das mit dem schönen Platz haben sich alle anderen aber auch gedacht, nur besser: Alles war voll, alle hatten gut gegessen und waren gut drauf, und wir fanden nur noch so eine Art Notplatz.
Gefreut hat mich das trotzdem: Eine regelmäßig ausverkaufte Veranstaltung, gutes Essen, tolle Show, sogar die Currywurst war richtig gut.

Das ist doch eine richtig schöne Erfolgsstory!

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit war 1789 das Motto der Französischen Revolution. Dieser Slogan fasst alle Ziele und alles Neue und Revolutionäre dieser Neu-Orientierung zusammen: Menschenrechte, Vernunft als Grundlage von Politik und Gesellschaft, ein Rechtsstaat, Bildung.
Zusammengefasst: das Gemeinwohl als oberste Pflicht des Staates.

Auf dieser Idee der Vernunft und des Gemeinwohls fußt auch unser parlamentarisches System. Heruntergebrochen auf unsere kleine Kommune ist das der Stadtrat. Im Grafinger Stadtrat beraten vollkommen unterschiedliche Menschen: Handwerker, Lehrer, eine Ärztin, ein Architekt, Selbstständige, Bauunternehmer, um nur einige zu nennen. Alle wollen für ihre Stadt nur das Beste – auch wenn sie natürlich nicht immer einer Meinung sind.

In Grafing funktioniert das Gott sei Dank ohne großes Parteiengetöse. Hier ist jede Partei zu Zusammenarbeit bereit. Vieles wird einstimmig oder mit immer wieder bemerkenswerten Konstellationen verabschiedet

Was in Berlin beinahe geklappt hätte – hier bei uns in Grafing wird so eine Art Jamaika geräuschlos und erfolgreich praktiziert.

Zur kommunalen Familie gehören die Bürgerinnen und Bürger. Sie wenden sich an die Stadt, an die Stadträte oder direkt an mich. Sie rufen an, schreiben Mails oder Briefe oder sprechen uns persönlich an.

Diese Offenheit ist gut und wichtig.

Der Bürger ist nicht Bittsteller, sondern Teil des Staates!
Wir sind alle froh, dass 1945 ein demokratischer Rechtsstaat heranreifte, in dem Bürger und Vertreter des Staates auf Augenhöhe miteinander reden.

Das funktioniert gut.

Dazu ein Beispiel: Frau Müller/Maier/Huber schreibt mir eine Mail, dass der Spiegel an der neuen Einmündung Münchenerstraße zu klein ist und anläuft. Ich schreibe zurück, dass wir uns drum kümmern. Das Ordnungsamt schaut sich den Spiegel vor Ort an, regt einen neuen Spiegel bei der zuständigen Behörde an. Der neue Spiegel wird hin geschraubt und … Frau Müller/Maier/Huber schreibt mir eine Mail und bedankt sich.

So der Idealfall. Der auch tatsächlich vorkommt.

Heute ist der unsachliche Umgangston leider viel zu oft zum normalen Schreibstil in E-Mails an Bürgermeister geworden; Pöbeln hat sich leider im wahrsten Sinn des Wortes „eingebürgert“
Die Gleichheit, diese Forderung der französischen Revolution, hat die E-Mail-Postfächer der Bürgermeister erreicht. Aber wo bleibt die Brüderlichkeit? Gilt der Anspruch an Umgangston und Freundlichkeit nur von Behörde zu Bürger, aber nicht von Bürger zu Bürgermeister?

Was mich immer am meisten nervt, ist wenn die eigenen Bedürfnisse allen anderen vorangestellt werden.
• Wohnungen, möglichst nur für Einheimische – aber nicht vor meiner Haustür.
• Weniger Verkehr und weniger Stau fordern, aber jeden Meter durch Grafing mit dem Auto fahren. Und bitte noch einen Parkplatz am Marktplatz.

Gott sei Dank haben wir einen Stadtrat, der den Überblick behält und das Wohl von ganz Grafing im Auge behält.

Und dann das klassische Todschlagargument: „Sie als Grüne sollten doch …“. Wenn ich diesen wohlmeinenden Ratschlägen folgen würde, gäbe es keinerlei Neubau, kein morscher Baum würde gefällt, es gäbe keine Hendl am Volksfest, keine Berufsschule auf der grünen Wiese, es gäbe auch kein Silvesterfeuerwerk mehr. Normalerweise folge ich solchen Tipps eher nicht.

Ein weiteres Totschlagargument ist Intransparenz. Wenn sonst nichts zu sagen ist, kann man wenigstens damit werfen. Transparenz ist gut und wichtig.

Manchmal muss aber ein Stadtrat einfach nichtöffentlich beraten. Und manchmal muss eine Verwaltung verschiedene Möglichkeiten durchdenken, überprüfen, planen, zu Ende denken – bevor die Öffentlichkeit, Sie als die Grafinger Bürgerinnen und Bürger, informiert und miteinbezogen werden kann. Das nennt man einfach konzentriertes Arbeiten!

Die Welt ist kompliziert. Es gibt Gesetze, Ausführungsbestimmungen, übergeordnete Behörden in denen verstrickt wir unsere Grafinger Themen zu lösen versuchen. Ich gebe mir immer Mühe, in vielen E-Mails, in Grafing Aktuell, auf Web- und Facebook-Seiten und insbesondere im persönlichen Gespräch Alles allen zu erklären.

Gott sei Dank habe ich meinen Mann im Hintergrund, der mir oft sagt „drück dich doch mal einfach und klar aus – dich versteht doch sonst Keiner …“

Und es funktioniert – es allen zu erklären. Im Sommer habe ich eine große Veranstaltung in der Stadthalle initiiert. Mit vielen Fachleuten zum Thema der neuen Verkehrsführung in Grafing. Zumindest eins ist dort klar geworden: alles ist viel komplizierter. Mit Stammtischparolen ist nichts zu lösen. Und noch was ist klar geworden: Die Fachleute aus Planungsbüros, Behörden und der Stadtverwaltung machen sich viel Arbeit und zerbrechen sich die Köpfe in alle Richtungen. Für eine gute Lösung für das Gemeinwohl, für Grafing, für Sie.

Ich habe mir angewöhnt, am Ende eines Arbeitstages immer zusammenzuschreiben, was gut war an dem Tag: Das sind oft kleine Dinge, manchmal Größere.

Ein paar Beispiele aus 2018:

  • Ich war mit 12 Bewerbern für Einheimischengrundstücke beim Notar. 12 Familien, die sich sonst kein Haus hätten leisten können.
    (Schleife an die nicht vorhandene Regierung in Berlin: Wir brauchen dringend ein neues Bodenrecht. Es kann nicht sein, dass die Preise von Grund und Boden ins unermessliche steigen dürfen. Es kann nicht sein, dass man oder frau mit anständiger Arbeit nicht mehr seine Familie ernähren kann.)
  • 19 Geringverdiener – Singles oder Familien – werden eine Wohnung in der Kapellenstraße 6, dem ersten Projekt unseres Gemeinsamen Kommunalunternehmens aus Landkreis und Kommunen, bekommen. Diese bunt gemischte Liste zu erstellen, aus Einheimischen, Alten, Jungen, Männer, Frauen, Singles und Allerziehenden und anerkannten Asylbewerbern, hat viel Freude gemacht.
  • Mit Hilfe von Herrn Koller, dem Vorsitzenden des Seniorenbeirates, haben wir vielen Senioren ein Geldgeschenk überreichen können. Ein kleiner Tropfen gegen versteckte Altersarmut.
  • Meine Bemühungen und Gespräche, die neue Berufsschule in Grafing anzusiedeln, verlaufen bisher sehr positiv für uns in Grafing.
  • Mitfahrbankerl und ein Bienenhaus im Stadtpark wurde von einer kleinen Gruppe der Transition Town Initiative Grafing umgesetzt.
  • Grafing summt: Grafing ist der bundesweiten Initiative zum Schutz der Bienen „Grafing summt“ beigetreten. Neben dem Bienenhaus im Stadtpark haben auch Mitarbeiter der Kläranlage ein Bienenhaus auf dem Gelände errichtet.
  • Die Mittelschule wurde über die Jahre generalsaniert – immer punktgenau in den Ferien
  • Die Stadt konnte 2017 4 Mio in Grafings Zukunft investiert. Dank Ihres Anteils an der Einkommensteuer und dank der Gewerbesteuerzahler.
  • Wir haben viele Bewerber für unser neues Gewerbegebiet, die erstens aus Grafing kommen und zweitens auch viel Gewerbesteuer zahlen.
  • Das Planfeststellungsverfahren „Hochwasser Urtel“ ist eingeleitet – der Hochwasserschutz in Grafing kommt zügig voran.
  • In Grafing gibt es neuerdings Stadtführungen – tolle Sache!
  • Im Gelände der FFW Grafing wurden spezielle Nistkästen für Spatzen angebracht.
  • … … und Vieles mehr

Von unserer Arbeit in der Stadtverwaltung und von meiner Tätigkeit als Grafinger Bürgermeisterin erfahren Sie, liebe Grafingerinnen und Grafinger, aus den Zeitungen. Wie gut oder weniger gut uns etwas gelingt, welchen Eindruck Sie von unserer Arbeit haben, ist also immer auch davon abhängig, wie es von den Zeitungen für Sie aufbereitet und dargestellt wird.
Es lastet viel Verantwortung auf den Schultern der Redakteure. Michi Seeholzer vom Merkur, Thorsten Rienth von der Süddeutschen und Frau Redinger vom Hallo sind sich dieser Verantwortung bewusst und ich möchte mich hier bei Euch dafür bedanken.

Es geht uns gut in Grafing!
Das ist auch das Verdienst vieler Menschen. Menschen, die sich fragen „Was kann ich für Andere tun?“ Menschen, die sich in die Gemeinschaft einbringen. Das Grundrauschen einer funktionierenden Gemeinschaft bilden.

Ich möchte mich heute bei einigen Bürgerinnen und Bürgern bedanken für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement:

  • Ursel Sauer, gebürtige Rheinländerin, Gründungsmitglied der Faschingsbären, die in Grafing einen Fasching ins Leben gerufen hat, wie sie ihn kennt.
  • Heinrich Hölzle:
    Stadtrat von 1990 bis 2014
    3. Bürgermeister von 2008 bis 2014
    Kirchenpfleger seit 2012
    Gewerbeverbandsvorsitzender seit 2008
  • Hermann Holzmann
    20 Jahre TSV Vorstand 1997 bis 2017
    seit 1991 2. Vorstand des TSV
    und Clown im Faschingsvariete
  • Erna Köppel aus Ebersberg
    war 20 Jahre Kassenwartin des Vereins für Rehabilitationssport im Landkreis
    Abrechnung mit Begleitärzten, Krankenkassen und Versicherungen

Es geht uns gut in Grafing – und es wird uns weiterhin gut gehen!

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr.

Angelika Obermayr, Erste Bürgermeisterin
Marktplatz 28, 85567 Grafing b. München
Tel. 08092-70331, buergermeisterin@grafing.bayern.de

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